Pflegetagebuch

Ihr Anspruch auf Information!

Pflegetagebuch: So hilft es zum Pflegegrad


Ein Pflegetagebuch ist ein gutes Hilfsmittel für Angehörige von Menschen mit Pflegebedürftigkeit, um die Pflegesituation zu dokumentieren. Es ist spätestens dann hilfreich, wenn Sie einen Antrag bei der Pflegeversicherung gestellt haben, um für die/den Pflegebedürftigen einen Pflegegrad anerkennen zu lassen. Denn nur mit einem anerkannten Pflegegrad können Sie Leistungen von der Pflegekasse beanspruchen.
 

Nach der Antragstellung erhalten Sie zeitnah einen Termin für die Begutachtung durch den Medizinischen Dienst (MD, früher MDK, Medizinischer Dienst der Krankenkassen) oder Medicproof (der medizinische Dienst der privaten Krankenversicherungen). Bei dieser Begutachtung hilft Ihnen das Pflegetagebuch den tatsächlich entstandenen Pflegeaufwand zu belegen. Optimal vorbereitet sind Sie, wenn die Inhalte des Pflegetagebuchs auf das Beurteilungssystem und das Pflegegutachten abgestimmt sind.
Wir erklären Ihnen, worauf Sie achten sollten und wie Sie ein solches Pflegetagebuch richtig führen.

Wie der Name schon vermuten lässt, wird in einem Pflegetagebuch schriftlich dokumentiert, welcher Aufwand bei der Pflege einer pflegebedürftigen Person entsteht. Ziel dieser Maßnahme ist es, gegenüber den Gutachter/innen des MD oder Medicproof realistisch belegen zu können, welcher Pflegeaufwand täglich in verschiedenen Situationen anfällt, z. B. welcher Zeitaufwand (z. B. “5 Min”) bei Verrichtung welcher Tätigkeit (z. B. “Haare kämmen”, “beim Ankleiden helfen”) entsteht. Schließlich sind die Gutachter nur für einen Moment im Alltag von Pflegenden und Pflegebedürftigen dabei und bekommen so längst keinen vollumfänglichen Eindruck von der Pflegesituation.
Mag ein Pflegetagebuch zunächst aufwendig erscheinen, ist es doch eine gute Gedächtnisstütze für den emotional oft aufwühlenden Begutachtungstermin: So vergessen Sie nicht, Details zu nennen und vermeiden es, Aufwände zu unterschätzen. Denn schließlich hängt von diesem Termin ab, welchen Pflegebedarf die Gutachter anerkennen und für welche Pflegeleistungen die Pflegeversicherung die Kosten übernimmt.

Haben Sie sich dazu entschlossen in Vorbereitung auf die Begutachtung ein Pflegetagebuch anzulegen, folgt oft als nächste Frage: Wie erstelle ich ein Pflegetagebuch? Am einfachsten ist es, wenn Sie sich eine Tabelle anlegen oder eine Vorlage nutzen. Achten Sie darauf, dass diese dem “Neuen Pflegetagebuch” entspricht, die Pflegetätigkeiten also auf das neue Bewertungssystem ausgelegt sind, welches im Sozialgesetzbuch (SGB) festgeschrieben ist. Im Zuge des sogenannten Pflegestärkungsgesetzes von 2017 wurden diese neuen Kriterien eingeführt: Sie berücksichtigen Hilfestellungen in allen Lebensbereichen.

Wer zum ersten Mal ein Pflegetagebuch führt, ist oft verunsichert, wie die Einträge über die alltäglichen Hilfeleistungen gestaltet sein müssen. Ein Pflegetagebuch kann jedoch ganz einfach gestaltet sein. Zunächst ist wichtig, dass

  • die Daten der/des Pflegebedürftigen aufgeführt sind,
  • der Zeitraum über die Dauer der Dokumentation genannt ist und
  • festgehalten wird, welche Personen das Pflegetagebuch führen.

Wie fülle ich ein Pflegetagebuch richtig aus? Was sind die wichtigen Punkte, auf die es zu achten gilt? Lassen Sie sich von solchen Fragen nicht verunsichern! Entscheidend ist, dass Sie sich an den 6 Modulen zur Beurteilung der Selbstständigkeit in verschiedenen Lebensbereichen orientieren. Wir haben drei Pflegetagebuch-Tipps für Sie:

  1. Ordnen Sie jede Tätigkeit einem der sechs Module zu.
  2. Dokumentieren Sie, ob Unterstützung bei einer Aktivität nötig ist. Wenn ja, notieren Sie, wie viel Hilfe nötig ist. Unterscheiden können Sie zwischen
    • selbstständig
    • überwiegend selbstständig
    • überwiegend unselbstständig und
    • unselbstständig.
  3. Abschließend können Sie die aufgewendete Zeit ergänzen, denn diese kann ebenfalls eine wichtige Information darstellen, um die Situation durch die Gutachter richtig einschätzen zu lassen.

Mit etwas Übung wird Ihnen dies schon bald keine Schwierigkeiten mehr bereiten.
 

Hier finden Sie ein Beispiel einer konkreten Pflegesituation:
Herr Wendt pflegt seine Frau. Am Morgen hilft er ihr zunächst beim Aufstehen, stützt sie beim Gang ins Bad und hilft ihr dann beim Zähneputzen, Waschen und Ankleiden. Danach bereitet er die erste Hauptmahlzeit des Tages für sie zu.

Im Pflegetagebuch Dokumentiert Herr Wendt:
 

Mittwochmorgen, 23. Juli, 7.10 Uhr

Modul 1: Mobilität

  • Aufstehen: überwiegend unselbstständig, mit Hilfe, 2 Minuten
  • Fortbewegen: überwiegend unselbstständig, 5 Minuten

Modul 4: Selbstversorgung

  • Körperpflege im Bereich des Kopfes: überwiegend unselbstständig, 8 Minuten
  • Waschen des vorderen Oberkörpers: überwiegend unselbstständig, 3 Minuten
  • An- und Auskleiden des Oberkörpers: überwiegend unselbstständig, 4 Minuten
  • An- und Auskleiden des Unterkörpers: überwiegend unselbstständig, 3 Minuten

Das Pflegetagebuch führen Sie idealerweise solange, bis Sie alle besonderen Situationen oder Gegebenheiten im Pflegealltag dokumentieren konnten. In einigen Fällen reicht dazu schon ein Zeitraum von einer Woche, in anderen Fällen erscheint ein längerer Zeitraum sinnvoll, etwa wenn bestimmte wiederkehrende Termine (z. B. Arztbesuche o. ä.) mit viel Aufwand verbunden sind und die Verrichtung solcher Aufgaben nicht wöchentlich anfällt.

Ein Pflegetagebuch zu führen erscheint zunächst sehr aufwendig, ist aber mit etwas Routine gut nebenbei zu erledigen – schließlich handelt es sich in vielen Fällen um wiederkehrende Tätigkeiten in der Pflege, zu denen der zweite oder dritte Eintrag im Tagebuch schon viel leichter von der Hand geht. Diese Dokumentation des Hilfebedarfs ist wichtig und lohnenswert, damit die/der Pflegebedürftige die Einstufung des Pflegegrads bekommt, der ihr/ihm zusteht.
 

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